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Lebenskontakte - neue Texte

 

Juli 2010

 

 In Zusammenarbeit mit WolfTek entsteht ein neues Buch mit Bildern und Texten zum Thema “Lebenskontakte”,

Bilder WolfTek, Texte Johanna Renate Wöhlke

 

 siehe auf www.wolftek.de

 

 

 

Beten

 

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Körperlos verborgen, niemals fest und starr,
Vater unser, der du bist im Himmel.

vor dem Unsagbaren werden alle Worte rar.
Geheiligt werde dein Name.

Welche Hoffnung wird sich wohl erfüllen,
Dein Reich komme.

wird ein sanftes Schicksal sie umhüllen?
Dein Wille geschehe

Zwischen allen Sphären
wie im Himmel so auf Erden.

wird die Erde immer neu gebären.
Unser täglich Brot gib uns heute

Hell wird dunkel überstrahlen,
und vergib uns unsre Schuld

wenn wir selbst mit sanfter Münze zahlen,
wie wir vergeben unsern Schuldigern.

und im Schatten nicht ins Schwarze gleiten,
Und führe uns nicht in Versuchung,

fremde Grenzen nicht mehr überschreiten.
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Ein schöner Raum ist es,
Denn dein ist das Reich

in dem sich alles sammelt
und die Kraft

und voller Glück und Freude
und die Herrlichkeit

nicht mehr nach Maß und Meter stammelt.
in Ewigkeit


 


Bewahren

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Du hast mit deinem Messer die Salatköpfe in feine Streifen geschnitten, zerteilt und portioniert hast du sie. Keiner hat dir das Messer aus der Hand genommen. Zugeschaut haben sie dir und eure Gedanken verbanden sich im erwarteten Genuss für Zunge und Gaumen. Danach gab es keinen Salat mehr. Der Salat träumte unter der scharfen Klinge des Messers. Der Klang seiner Metamorphose schwang sich durch Zähne und Schlund. Er blieb für eine kleine Weile und machte sich auf und davon in die Welt…

 

 

 

 

Arbeiten

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Sich die Augenblicke einer schönen Reise schmecken zu lassen als einem Traum von in der Welt zu sein, sich nicht beschränkt zu fühlen in seinem Käfig aus Fleisch, keine Angst vor dem Schneckendasein der Zeit zu spüren - so fühlt sich Ernten von Arbeit an.

Sich den Geschmack guten Weines munden zu lassen als einem Traum von in der Welt zu sein, sich fallen lassen in Schmecken und Genießen, keine Angst vor dem Schneckendasein der Zeit zu spüren - so fühlt sich Ernten von Arbeit an.

Sich den Freuden eines besiegten Schmerzes hinzugeben als einem Traum von in der Welt zu sein, sich versorgt zu fühlen und keine Angst mehr vor dem Schneckendasein der Zeit zu spüren – so fühlt sich Ernten von Arbeit an.

 

 

 

 

Lesen

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Es ist, wie es immer ist. Aber keiner der Buchstaben denkt darüber nach. Wieder einmal nämlich ist es vollendet, Blatt für Blatt, sind sie verwoben und verklebt, verkettet und verschmiegt. Wieder einmal wiegen sie sich in den ewig alten Bahnen von Sinn und Unsinn, sind Handlanger fremder Gedanken, die sie versponnen haben aus dem Fruchtblasenschleim eines menschlichen Geistes - das Wasser trocken, das Feuer kalt, die Liebe tot, das Blut entrötet, die Adern leer. So warten sie wie immer darauf, zum Leben erweckt zu werden, schlafen sehnsuchtsvoll diesen wahren Momenten des Glücks entgegen, erkannt und begriffen zu werden in diesem einen Orgasmus, der lesen heißt.